Uuuuuund… ACTION!

Danke, dass Du Dich über den „Aktionsplan für Vielfalt und gegen Diskriminierung“ informieren willst.

Warum braucht es den?

Studien in vielen Ländern, auch Deutschland und Bayern, zeigen, dass queere Menschen, also Nicht-Heterosexuelle und solche, die sich selbst nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren (trans* Personen), besonders von Diskriminierung betroffen sind. Sie werden ausgegrenzt, gemobbt, benachteiligt, diskriminiert, beleidigt oder erfahren sogar Gewalt. In der Schule, im Sport, am Arbeitsplatz, auf Behördengängen oder im Gesundheitswesen sowie im öffentlichen Raum.
Transidente oder transgeschlechtliche Menschen, also solche, die im Lauf ihres Lebens feststellen, dass sie zwar als Junge oder Mädchen geboren wurden, aber sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, betrifft dies am meisten innerhalb der LSBTIQ*-Gemeinschaft. Aber auch alle anderen, also Bisexuelle, Lesben, auch Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen oder können sowie Schwule sind überdurchschnittlich von Diskriminierung und Gewalt, Ausgrenzung oder auch Arbeitslosigkeit betroffen.
Um diesen Missstand zu beheben, benötigt es dringend Unterstützung seitens der Politik. Ein paar konkrete Beispiele möchten wir Dir nennen:

Sicherheit:

In Bayern können sich – im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern und Kommunen – Opfer queerfeindlicher Delikte nicht an eine spezielle Ansprechperson wenden, bei der sie ihre Probleme offen ansprechen können. Doch das ist wichtig, denn auf einer normalen Polizeiwache ist nicht auszuschließen, dass man auf eine*n Polizeibedienstete*n trifft, die*der sich mit der Thematik nicht auskennt, oder aber selbst vielleicht homo- oder transphob eingestellt ist. Opfer müssen sich also bei einer unbekannten Person zwangsläufig outen, ohne zu wissen, wie das ankommt. Bei speziellen Ansprechpersonen ist diese Problematik ausgeschlossen. Und die Erfahrungen anderer Länder und Städte zeigt, dass so zum einen das Vertrauen in die Polizei wächst, und zum anderen mehr queere Opfer auch Anzeige erstatten. Denn viele trauen sich das nicht, weil sie denken, die Polizei könne eh nichts tun oder wolle nichts tun.
Mit Ansprechpersonen für Opfer queerfeindlicher Delikte in allen Regierungsbezirken könnte hier ohne großen Aufwand sofort Abhilfe geschaffen werden.

Prävention und Aufklärung solcher Straftaten gehören gestärkt. Wusstest Du, dass Hasskriminalität gegen queere Menschen eine Aufklärungsquote deutlich unter Durschnitt hat? Weniger als 50%? Das darf so nicht bleiben!

Diese Forderungen und weitere können Inhalt eines Aktionsplans sein und das Erreichen der Ziele festgeschrieben werden.

Bildung:

„Du Schwuchtel“ ist auf Schulhöfen eine beliebte Beleidigung. „Schwul“ ein negatives Adjektiv. „Du Mädchen!“ ist eine Degradierung. Alleine das zeigt, dass es an Aufklärung mangelt und Stereotypen nicht ausreichend entgegengearbeitet wird. Lehrkräfte in Bayern müssen während ihrer Ausbildung keine speziellen Schulungen absolvieren und sind damit in Situationen, in denen Schüler*innen diskriminiert oder gemobbt werden auf sich selbst gestellt. Doch das Thema ist komplex und Lehrkräfte brauchen hier fachliche Sensibilisierung.

Ein Aktionsplan kann solche Maßnahmen beinhalten und beispielsweise als Ziel haben, Lehrkräfte auszubilden im Umgang mit Queerfeindlichkeit in Schulen und Berufsschulen.
Aktuell findet schulische Aufklärung alleine durch speziell geschulte Gruppen queerer Vereine und Einrichtungen statt. Diese leisten ehrenamtlich das, was der Staat leisten müsste. Das darf so nicht bleiben. Auch deren Unterstützung kann in einem Aktionsplan festgeschrieben werden

Beratungsinfrastruktur:

Wenn Menschen in Bayern, egal ob Jugendliche oder Erwachsene, im Internet Hilfe suchen, weil sie sich beraten lassen wollen, zum Beispiel bei einem Coming-Out oder gesundheitlichen Fragen, oder weil sie Gleichgesinnte suchen, mit denen sie sich austauschen können, landen sie bei Einrichtungen in München oder Nürnberg. Für jemanden aus dem Allgäu oder dem Bayerischen Wald ist das bereits problematisch, besonders für Minderjährige. Tatsache ist aber, dass es im ländlichen Raum und selbst in anderen Großstädten keine oder nur kleine Anlaufstellen gibt. Der Freistaat fördert aktuell nur Schulungen von Mitarbeiter*innen einzelner Träger auf dem Land, wenn diese das wollen.

Ein Aktionsplan könnte hier klar fordern: in jedem Regierungsbezirk braucht es mindestens eine Schwerpunkt-Einrichtung, die gut geschult ist für den Umgang mit queeren Menschen, die Hilfe brauchen. Das stärkt den ländlichen Raum und entlastet rein kommunal geförderte Einrichtungen in München und Nürnberg.


Weitere große Defizite in Sachen Queerpolitik gibt es in den Bereichen Sport, Gesundheit, Asyl oder Sichtbarkeit. Alle Problemfelder können in einem Aktionsplan aufgelistet und Lösungsmöglichkeiten klar definiert werden. Nur so geht es in Bayern, dem einzigen Bundesland, das meint so einen Plan nicht zu brauchen, auch tatsächlich voran.

Wenn du die Forderung nach einem Aktionsplan für Vielfalt in Bayern unterstützen willst, kannst du diese Petition des Münchner Vereins Sub e.V. unterzeichnen: https://action.allout.org/de/m/911d506e/

Wir Grüne kämpfen seit Jahren und auch weiter dafür, dass die Staatsregierung endlich aktiv wird und die offensichtlichen Missstände beseitigt.

Danke, dass Du dich zu dem Thema informiert hast!