Erinnern. Verstehen. Verantwortung übernehmen.
Wir erinnern an die Novemberpogrome 1938.
Am 9. November kommen wir am Oertelplatz zusammen, um der jüdischen Menschen zu gedenken, die im November 1938 verfolgt, verschleppt und ermordet wurden.
Gedenken am Oertelplatz
Namen und Lebensgeschichten
Mitglieder des Bezirksausschusses lesen Namen und Biografien von Münchner Opfern der antisemitischen Verhaftungsaktion im November 1938. Bernhard Freitag begleitet das Gedenken auf der Klarinette. Im Mittelpunkt stehen die Menschen und ihre Lebensgeschichten.
Veranstalter: Landeshauptstadt München · Bezirksausschuss 23 Allach-Untermenzing
Was geschah im November 1938?
Die Nationalsozialisten hatten Jüdinnen und Juden seit 1933 systematisch ausgegrenzt. Berufsverbote, Boykotte und die Nürnberger Gesetze von 1935 schränkten ihre Rechte und Lebensmöglichkeiten immer weiter ein.
Im November 1938 eskalierte diese Verfolgung. Als Vorwand nutzte die NS-Führung das Attentat Herschel Grynszpans auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris. Nach dessen Tod am 9. November hielt Joseph Goebbels in München eine Hetzrede. Parteifunktionäre gaben daraufhin Anweisungen für die Gewalt weiter.
Besonders in der Nacht vom 9. auf den 10. November griffen SA- und SS-Angehörige sowie weitere Beteiligte jüdische Menschen an. Synagogen wurden in Brand gesetzt, Geschäfte und Wohnungen verwüstet. Die Gewalt beschränkte sich nicht auf eine einzige Nacht. Menschen wurden misshandelt und ermordet; viele starben später an den Folgen.
Etwa 30.000 jüdische Männer wurden in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Die Novemberpogrome waren eine weitere massive Radikalisierung der Verfolgung auf dem Weg zum Holocaust.
Historischer Hintergrund: Bundeszentrale für politische Bildung
Warum wir von Novemberpogromen sprechen
Die noch immer bekannte Bezeichnung „Reichskristallnacht“ lenkt den Blick auf zerbrochene Schaufensterscheiben. Damit wird die organisierte antisemitische Gewalt gegen Menschen verharmlost. Es ging um zerstörte Existenzen, Demütigung, Freiheitsentzug und Mord – nicht nur um Sachschäden. Deshalb verwenden wir hier die Bezeichnung Novemberpogrome 1938.
Zur Bezeichnung und den historischen Dokumenten: Bundesarchiv
Die Verbindung zu München und Dachau
Auch in München hatte die Zerstörung jüdischen Lebens schon vor dem November begonnen: Die Alte Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße wurde im Juni 1938 auf Hitlers Befehl abgerissen. Sie wurde also nicht erst in der Pogromnacht zerstört.
Nach Angaben der Veranstaltungsankündigung wurden ab dem 9. November weit über 1.000 jüdische Männer aus München in das KZ Dachau verschleppt. Die nationalsozialistische Bezeichnung „Schutzhaft“ verschleierte die willkürliche Verhaftung und den Terror. Viele der Verschleppten wurden ermordet oder starben an Misshandlungen und unzureichender medizinischer Versorgung.
Insgesamt wurden unmittelbar nach den Pogromen fast 11.000 jüdische Männer in Dachau inhaftiert. Viele Überlebende kamen erst Wochen oder Monate später frei; ihre Entlassung war häufig an Vorbereitungen zur erzwungenen Auswanderung geknüpft.
Jüdisches Museum München: Alte Hauptsynagoge
Veranstaltungsankündigung: Münchner Opfer
United States Holocaust Memorial Museum: Dachau

Erinnerung braucht Namen und Geschichten
Hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit Familie, Freundschaften, Hoffnungen und einem eigenen Leben. Die Namenlesung gibt diesen Lebensgeschichten Raum. Wir laden dazu ein, gemeinsam innezuhalten, zuzuhören und Verantwortung für ein Zusammenleben ohne Antisemitismus zu übernehmen.
Erinnerung und Verantwortung
Gemeinsam erinnern.
Montag, 9. November 2026 · ab 17:00 Uhr · Oertelplatz



