GEMA

Die Frage wie man mit Urheberrechten umgeht, ist keine Frage die ausschließlich im Internet stattfindet. Eine ganz konkrete Frage nach der Verwertung von Urheberrechten könnte nun zum Ende der Münchner Club- und Musikszene führen.

Kompliziertes System vereinfacht

Der einzig relevante Urheberrechtsverwerter für Musik in Deutschland ist die GEMA. Für Clubveranstaltungen gab es ein kompliziertes System von mehreren Tarifen, mit denen die Veranstalter die Kosten für das Abspielen von GEMA-Musik berechneten. Nun hat die GEMA ein vereinfachtes System vorgestellt, welches aber die Discobetreiber vor Kostensteigerungen von 300 Prozent bis zu 1000 Prozent stellt. Kostensteigerungen welche also zum Teil den gesamten Jahresgewinn auffressen würde. Dabei ist schon eine Kostensteigerung von nur 10 Prozent für die meisten Diskothekenbetreiber kaum zu stemmen.

Die Monopolstellung des Urheberrechtsverwerter GEMA sägt also an dem Kerngeschäft Münchner Diskothekenbetreibern, nämlich dem Abspielen von Musik.

Clubs bekennen sich zum Urheberrecht

Rennen also die Clubbesitzer aus Notwehr demnächst reihenweise zur Piratenpartei und fordern die Aufhebung des Urheberrechts? Dem ist gerade nicht so! Clubbetreiber arbeiten natürlich ständig mit Urhebern und Urheberinnen zusammen. Insbesondere in München ist die Vernetzung von Musikschaffenden, ClubbetreiberInnen, DJs und LabelbesitzerInnen so eng, dass sie sich in das eigene Fleisch schneiden würden. So erklären viele explizit ihr Bekenntnis zum Urheberrecht.

Der Gewinn an Tantiemen von kleinen und mittleren Labels ist jedoch minimal, so dass ihre Mitgliedschaft bei der GEMA hauptsächlich dem Schutz ihrer Werke dient.

Kleine UrheberInnen profitieren kaum

Das kleine UrheberInnen kaum von der GEMA finanziell profitieren liegt nicht zuletzt an dem verkrusteten GEMA System. Clubs zahlen eine Pauschale, dabei ist egal, ob der DJ Techno, Schlager, Hits oder Klassik auflegt.

Die Auszahlung der Tantiemen findet dann anhand eines eher untransparenten statistischen Verfahrens statt, das sich mehr an den Auflagen und Verkäufen von Tonträgern orientiert. Ein solches Verfahren benachteiligt aber bestimmte Musikbereiche massiv.

Am Beispiel von Techno wird die Schieflage des Systems offenbar. Eine Technodiskothek bezahlt denselben GEMA-Betrag pro Abend wie eine vergleichbare Diskothek, die nur Top Ten Hits spielt. Techno ist jedoch ein Musikstil, der fast ausschließlich in Clubs konsumiert wird. Radiostationen spielen keinen Techno und wenn von einem Technotonträger 500 Stück verkauft werden, gilt er schon als Megaseller in der Szene. Technomusik ist also reine Tanzmusik, die sich kaum ein Mensch zu Hause zur Entspannung anhört.
Man kann also behaupten, dass von jeder gespielten Technonummer im Houseclub mehr GEMA-Gelder an Phil Collins fließen, als an den Urheber dieses Technostückes. Der Großteil der Technolabels sind dennoch GEMA-Mitglieder, da dieses ihnen einen gewissen Schutz vor Vervielfältigungspiraterie bietet.

Die angestrebte Erhöhung der GEMA Beiträge für Clubs würde noch dazu dem einzigen Ort die wirtschaftliche Grundlage entziehen, der in der Technomusik funktioniert. Damit würde letztlich auch diese Musik verschwinden.

Abkehr vom Pauschalsystem ist sinnvoll

Das GEMA System ist eine historisch gewachsene Struktur. Die Pauschalen stammen aus einer Zeit, in der eine Abrechnung pro Stück in Tanzlokalen eine bürokratische Unmöglichkeit gewesen wäre. Im 21. Jahrhundert gibt es jedoch heute Software- und Hardwarelösungen zur Erfassung einzelner Stücke.

Eine weitgehende Abkehr vom Pauschalsystem wäre eine sinnvolle Reform der Urheberrechtsverwertung. Es würde eine größere Gerechtigkeit gegenüber den musikalischen Urhebern entstehen, wenn diese auch möglichst nahe am tatsächlichen Erfolg ihrer Werke vergütet würden und nicht anhand statistischer Hochrechnungen wie momentan, die einige wenige finanziell bevorteilen und zu Lasten anderer geht.

Zudem dürften die Kosten für GEMA-lizenzierte Musik nicht so hoch sein, dass Betriebe, deren Daseinsform das Abspielen von Musik ist, wirtschaftlich nicht bestehen können.
 

Rein wirtschaftliche Angelegenheit?

Letztlich könnte man behaupten, dass der Konflikt um die Rechtekosten ein Streit zwischen einem Verwertungsverein und seinen Mitgliedern sei. Also eine rein privatwirtschaftliche Angelegenheit. Wenn jedoch die Monopolstellung eines Teilnehmers letztlich zu übertriebenen Forderungen führt und damit kulturelle Werte vernichtet werden, ist definitiv politisches Handel erforderlich.

Momentan stehen die GEMA und die Vertreter der Münchner und deutschen Clubbetreiber noch in Verhandlungen. Auch die kartellrechtliche Schritte und das Schiedsgericht beim Patent- und Markenamt, welches für die GEMA zuständig ist, stehen noch offen.

Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten eine Lösung finden, die eine vielfältige Münchner Kulturszene und einen wirtschaftlich nicht unbedeutenden Faktor erhalten lassen.

Sowohl die Forderung nach bezahlbaren Urheberrechtsverwertungen und nach transparenten, fairen Tantiemenverfahren sind Forderungen, welche auch GRÜNE Unterstützung finden sollten.

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Samstag, 27. August 2016
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