Eine grüne Grundidee ist, die Wachstumstheorie nicht nur in Frage zu stellen, sondern, wo immer möglich, zu bekämpfen. Wir brauchen nicht nur nicht ungebremstes Wachstum, wir brauchen möglichst überhaupt keins mehr, was zurzeit natürlich noch nicht möglich ist, gerade in München.
Aber wenn nicht wir Grüne, wer soll denn dann noch in dieser Richtung kämpfen, um die Erde noch zu retten?
Das geht bei der 3. Startbahn los, gegen die wir alle noch eine einheitliche Meinung haben. Wenn An- und Abreise für Geschäftsleute wie Fernost-Ferienflieger immer noch mehr erleichtert werden, wird München an Attraktivität weiter zulegen.
Wenn München an Attraktivität, die ja jetzt schon Spitzenwerte einnimmt, weiter zulegt, werden sich selbstverständlich noch mehr Firmen im Großraum ansiedeln, mit noch mehr Mitarbeitern, Bekannten und Begleitzuzug, um es mal so auszudrücken.
Und dann erleben wir entsprechend der Club-of-Rome-Analyse für die Erde einen Mikrozustand für München, der so aussehen wird:
1. Die Wohnungsproblematik wird einerseits zu Preisen führen, die nur noch von der Mittel- und Oberschicht bezahlt werden können. Wohnungen für die Dienstleister und andere Geringverdiener dieser Gesellschaft werden zunehmend ausgegrenzt, mit allen gesellschaftlichen Folgen.
Es wird eine jetzt schon unerträgliche Bebauungsverdichtung im grünen Gartenstadtring von München geben, der jegliche traditionelle und gewachsene Vorortstruktur zunichte macht. Nebenbei ist es auch ein grünes Markenzeichen, nachhaltige und bewährte Strukturen zu erhalten und nicht auf dem Altar des in Anführungszeichen „Fortschritts“ zu opfern.
2. Die Straßen in diesen verdichteten Vierteln können nur noch mit Mühe befahren werden, weil Autos selbstverständlich überall zugelassen sind und parken dürfen, um die persönliche Freiheit des Einzelnen nicht einzuschränken.
Was ursprünglich für ein paar hundert Menschen konzipiert und gebaut wurde, soll heute ein Vielfaches an Bewohnern aufnehmen, auch wenn dabei Gesundheit, Natur und Attraktivität des Viertels auf der Strecke bleiben.
3. Die öffentlichen Verkehrsmittel, voran S- und U-Bahn platzen doch heute schon aus allen Nähten, obwohl die Struktur des öffentlichen Nahverkehrs zu den besten in Deutschland zählt.
Eine Taktverdichtung bei der S-Bahn ist mit der bestehenden Stammstrecke nicht möglich, die Alternativen stehen immer noch in den Sternen, und zu Berufsverkehrszeiten nimmt die Zahl der regelmäßig verstopften Straßen Jahr für Jahr zu. Eine Bevölkerungszunahme im bisherigen Ausmaß ist unter diesem Aspekt nicht zu akzeptieren.
Wenn wir nicht mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln diesem Wahnsinn Einhalt gebieten, wird die natürliche Entwicklung diesem Treiben ein Ende machen. Wenn nichts mehr geht in dieser Stadt, alle lebenswerten Ressourcen aufgebraucht und vernichtet sind, wird die Zuwanderung zum Stillstand kommen und wir auf einem Scherbenhaufen sitzen, der nichts mehr mit dem noch liebenswerten München von heute zu tun hat. Es ist unsere Aufgabe, diese Entwicklung vorherzusehen, und im Stadtrat dafür zu sorgen, dass jetzt die Weichen gestellt werden, damit wir uns nicht irgendwann von unseren Kindern sagen lassen müssen: Wofür brauchen wir eine Grüne Partei, wenn sie so eine Entwicklung zulässt?

Wachstum und Stadtenwicklung in München
| AutorIn: | Wolfgang Karreth |
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| Datum: | Mittwoch, den 04. April 2012 |
| Kategorien: | Kommentar, Stadtrundbriefartikel, Stadtentwicklung |
Hinweis: Dieser Kommentar gibt allein die Meinung der genannten AutorInnen wieder. Er stellt nicht unbedingt die Ansichten von Bündnis 90/ Die Grünen München dar.


die ablehnung des wirtschaftswachstums-systems teile ich mit ihnen ebenso wie das wissen, daß unsere stadt durch den bauboom bereits jetzt einen teil ihres charmes verloren hat (s.SZ"es werde dicht"). schlimm ist, daß geringverdiener hier keinen platz mehr haben und das jede grattlecke in münchen von den spekulanten niedergewalzt wird (s.Schwabinger7).die kreativen werden alle paar jahre aus ihren quartieren geschmissen (s.Domagkgelände), das viertel gentrifiziert.
aber ob die mehrheit der grünen das wirklich verhindern will, wage ich zu bezweifeln...