Tourismus in München: Mehr als nur Oktoberfest!

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Kategorien:Kommentar, Stadtentwicklung

Zu diesem Thema hatte der Arbeitskreis Wirtschaft/Finanzen kürzlich zur Diskussion eingeladen. Auf dem Podium sprachen Stadträtin und Fraktionsvorsitzende Lydia Dietrich mit dem Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes, Conrad Mayer, sowie dem Geschäftsführer von CityPartner e. V., Wolfgang Fischer.

München-Toursmismus: Wirklich alles super?

Man könnte meinen, im München-Tourismus läuft alles rund, schließlich steht das Wort "Super" als Überschrift über dem Jahresbericht des Tourismusamtes. Und in der Tat: Etwa 11 Mio. Übernachtungsgäste beglücken Münchens Hotellerie und spülen pro Jahr fast 7 Mrd. Euro in die Kassen Münchner Unternehmen. Die Zahlen wachsen.

Aber wofür steht München als Reise"Destination" im In- und Ausland? Es ist schon seltsam, dass die "Radlhauptstadt" auf der Tourismus-Seite zwar mit "Auto, Motorrad und mehr" und mit "Busparken in München" wirbt, das Fahrrad als Fortbewegungsmittel aber keine Erwähnung wert ist. Da überrascht es nicht, dass fast die Hälfte der München-BesucherInnen mit dem Auto anreiste (und nur 5 Prozent mit der Bahn!).

So jedenfalls wird man nicht die "ökologischste Stadt", wie wir uns als Grüne das wünschen. Weder die aufwändig renaturierte Isar noch das herausragende Kulturangebot ist Thema.

Wofür steht München?

Im Mittelpunkt aller Bemühungen scheint immer noch das Zweiwochen-Mega-Besäufnis-Volksfest unterhalb der Bavaria zu stehen. Reicht das? Die DiskutantInnen meinten übereinstimmend: Nein! München-Tourismus muss mehr sein als Oktoberfest!

Stadträtin Lydia Dietrich blickt respektvoll auf Städte wie Wien oder Barcelona, die mit schlüssigen Tourismus-Konzepten Erfolg haben: "Die stehen inzwischen für etwas."

Conrad Mayer, Münchens Chef-Hotelier, fordert ebenfalls einen Perspektivenwechsel statt der Nabelschau, schließlich sei Tourismus eine "Botschaft" und nicht nur ein Geschäft.

Selbst wenn Wolfgang Fischer als Vertreter der Münchner City-Unternehmen eher das Geschäft im Blick hat, fordert auch er mehr Qualität statt Masse im München-Tourismus. Dass z. B. ausgerechnet am Osterwochenende die München-Info im Rathaus geschlossen ist, ist nicht gerade zielführend. Und wirklich freundlich geht's dort auch nicht zu. Und Münchens Internetseite sei für die TouristInnen schlicht eine Zumutung.

Ökologie und Weltoffenheit müssen höheren Stelllenwert bekommen

München kann mehr, München kann's besser. Schon jetzt könnten Münchens Hotels und Jugendherbergen locker 20 Millionen Gäste beherbergen. Aber wollen wir das? Wollen wir immer mehr Hotelketten, die die kleineren Familienbetriebe verdrängen? Wollen wir Horden Jugendlicher, die sich in den Wirtschaften der Innenstadt besaufen, bevor sie im Bus ihrem Heimweg entgegendämmern?

Unter der Regie von Wirtschaftsreferent Dieter Reiter, der sich anschickt Münchens nächster Oberbürgermeister zu werden, überlegt sich eine Arbeitsgruppe schon seit Monaten schlüssige Konzepte für die Zukunft des München-Tourismus. Aber außer einer Aufsplittung in Wies'n- und Nicht-Wies'n-Tourismus und der Forderung nach einer Ko-Finanzierung der NutznießerInnen scheint noch nicht viel dabei herausgekommen zu sein.

Sicher ist nur: Nach Gabriele Weishäupl, die das Fremdenverkehrsamt jetzt seit einem Vierteljahrhundert führt, wird sich einiges ändern. Wir Grüne sollten darauf aufpassen, dass das Weltoffene und das Ökologische, das Lebenswerte unserer Stadt dabei einen viel höheren Stellenwert gewinnen werden.

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Freitag, 18. Mai 2012
http://www.gruene-muenchen.de/themen/dokument/tourismus-in-muenchen-mehr-als-nur-oktoberfest/