m März 2011 hat sich in München der AK Ernährung gegründet. Eine bunt gemischte Gruppe, bestehend aus Fisch- und FleischesserInnen, VegetarierInnen und VeganerInnen, die sich in einem einig sind: Wir brauchen eine Ernährungswende.
Ernährung ist DAS grosse grüne Thema
Wir finden: Ernährung ist DAS große grüne Thema. Es ist ein sehr grünes, weil ökologisches Thema. Es geht um die Zerstörung von Landschaften. Beispiel: Regenwald, der für Rinderweiden, Soja- oder Kokosplantagen abgeholzt wird. Beispiel: das südspanische Almería, wo für Obst- und Gemüseanbau – teilweise "Bio-Qualität" – ganze Landstriche in Wüste verwandelt werden.
Außerdem ist es ein ökonomisches Thema. Es geht um viel Geld, um Milliardensubventionen. Es geht darum, ob unsere Steuergelder in eine Firma wie Nestlé fließen oder in eine sozial und ökologisch vertretbare Landwirtschaft.
Es geht um mehr!
Aber das Thema Ernährung hat noch mehr Bezüge:
- Es ist ein soziales Thema, es geht um Gerechtigkeit. Darum, dass unsere Teller voll sind und in anderen Teilen der Welt die Teller leer und dass beides miteinander zu tun hat.
- Es ist ein arbeitsmarktpolitisches Thema. Der Ökolandbau beispielsweise beschäftigt mehr Menschen und zu besseren Bedingungen als die chemisch-industrielle Landwirtschaft.
- Ernährung ist ein gesundheitspolitisches Thema. Auf 70 oder 75 Mrd. Euro Folgekosten für ernährungsbedingte Krankheiten belaufen sich Schätzungen. Nur bei uns. Jahr für Jahr.
- Ernährung ist ein moralisches Thema. Zum Beispiel, was den Umgang mit Nutztieren betrifft. Dürfen wir Tiere töten, um sie zu essen? Darüber sind wir im AK geteilter Meinung. Einig sind wir allerdings darin, dass tierquälerische Massentierhaltung gar nicht geht.
Und nicht zuletzt ist es ein kulturelles, auch interkulturelles Thema, die Zubereitung von Nahrung eine der ältesten Kulturleistungen des Menschen. Der Austausch von Nahrungsmitteln auf dem Handelswege war immer auch ein kultureller Austausch. Das ist bei aller berechtigten Forderung nach regionalen Lebensmitteln mitzubedenken.
Atomkraft: Geht es bei der Ernährung um weniger?
Viel ist von der notwendigen Energiewende die Rede. Die wird ohne eine Ernährungswende kaum gelingen. Denn ein Großteil der Energie fließt in die Produktion, Verarbeitung und den Transport von Lebensmitteln. Ein Wort zur Atomkraft, Jahrzehnte lang unser übergreifendes Identifikationsthema: Wir waren und sind gegen Atomkraft, weil es sich um eine kaum beherrschbare Technologie handelt, die im Katastrophenfall zahlreiche Tote fordert und ganze Landstriche unbewohnbar macht. Geht es bei der Ernährung wirklich um weniger? An Unterernährung, Über- oder Fehlernährung sterben jedes Jahr Millionen Menschen. Durch Vernichtung von Regen- wäldern und traditionellen Kulturlandschaften verwandeln sich riesige Landstriche in tote Böden.
Im AK Ernährung versuchen wir, uns so gründlich wie möglich in die genannten Themenfelder einzuarbeiten und daraus Aktionen und Anträge abzuleiten. Das Mühsame daran: Es reicht nicht, Anträge zu stellen – jede/r muss bei sich selbst anfangen. Das Gute daran: Wir müssen nicht warten, dass die Politik alles regelt – jede/r kann bei sich selbst anfangen.
Wir freuen uns über Kontakt zu anderen AKs mit ähnlicher Zielrichtung.

